Küche · Renovation
Küchenfronten ersetzen statt neue Küche: was es kostet, und wann es nicht geht
Neue Fronten in Schichtstoff kosten in Zürich CHF 3 500 bis 7 000, eine neue Standardküche 18 000 bis 22 000. Was der Frontentausch nach Material kostet, was die Schweizer 55-cm-Norm damit zu tun hat und wann der Korpus nicht mehr mitspielt.

Eine Küche altert selten gleichmässig. Die Fronten sind nach zwanzig Jahren vergilbt, die Kanten bestossen, das Dekor wirkt alt, während die Korpusse dahinter noch gerade stehen und die Schubladen sauber laufen. Dann stellt sich die Frage, die in der Suchmaschine als «Küche renovieren statt neu» auftaucht: Reicht es, die Küchenfronten zu ersetzen?
Die kurze Antwort: Es reicht oft, und es kostet einen Bruchteil. Die lange Antwort hängt an drei Dingen, die man vor der ersten Offerte prüfen kann: dem Zustand der Korpusse, der Norm, nach der die Küche gebaut wurde, und den Scharnieren.
Alle Preise in diesem Artikel stammen aus Schweizer Quellen, jede mit Datum. Wo ein Preis nicht öffentlich ist, steht die Frage, die Sie dem Anbieter stellen sollten.
Was der Frontentausch kostet, nach Material
Die genaueste öffentliche Aufstellung für die Deutschschweiz hat der Zürcher Küchenbauer HMA Interior am 11. April 2026 publiziert. Er gibt an, die Werte aus eigenen Offerten der Jahre 2025 und 2026 gezogen zu haben, und rechnet für den Raum Zürich mit Preisen 5 bis 10 % über dem Landesmittel. Es sind Preise für den Austausch aller Fronten einer Küche, Fertigung und Montage inbegriffen.
| Frontmaterial | Frontentausch, ganze Küche | Lebensdauer laut Anbieter |
|---|---|---|
| Schichtstoff (Laminat, Kunstharz) | CHF 3 500 bis 7 000 | 15 bis 20 Jahre |
| Lack, matt oder glänzend | CHF 6 000 bis 11 000 | 20 bis 25 Jahre |
| Echtholz, Furnier | CHF 8 000 bis 15 000 | 25 bis 30 Jahre |
| Glas, Mineralwerkstoff | CHF 9 000 bis 15 000 | 20 bis 30 Jahre |
Zwei Dinge fehlen in dieser Tabelle, und beide gehören in die Offerte.
Fenix und andere Supermatt-Oberflächen. Fenix ist ein Schichtstoff mit matter, fingerabdruckarmer Oberfläche, den Schweizer Schreiner als Front verarbeiten: Die r+s Schreinerei in Wohlen zeigt auf ihrer Kundendienstseite eine Küche, deren alte Glasfronten durch Fenix-Fronten ersetzt wurden. Einen öffentlichen Schweizer Preis haben wir nicht gefunden. Fragen Sie: «Was kostet dieselbe Küche in Fenix gegenüber Standard-Kunstharz, und ist die Kante gleichfarbig oder aufgeleimt?»
Der Preis pro Front. Kein Schweizer Anbieter publiziert ihn. Die Offertenplattform Ofri nennt am 30. August 2023 für günstige neue Fronten CHF 85.- bis 120.- pro Quadratmeter, sofern die Scharniere passen und kein teures Material wie Glas oder Chrom gewählt wird. Rechenbeispiel: Eine Tür von 55 × 70 cm misst 0,385 m2, das Material liegt also bei rund 33 bis 46 Franken. Dazu kommen laut derselben Quelle Anfahrt und Arbeit zu je CHF 70.- bis 90.- pro Stunde. Für alles über dem Einstiegsmaterial gilt: Lassen Sie sich den Preis pro Quadratmeter Front und die Anzahl Fronten getrennt ausweisen.
Und pro Laufmeter? Daibau.ch nennt für eine Küchenrenovation mit Abdeckung und Fronten CHF 300 bis 500 pro Laufmeter, ohne Wandabbruch und ohne Wand- und Bodenbeläge. Die Seite trägt kein Datum. Für einen Vergleich zwischen zwei Offerten taugt der Laufmeter, für die Kalkulation nicht: Eine Wand voller Schubladen hat mehr Fronten als eine mit zwei Hochschränken.
Der Vergleich mit einer neuen Küche
Was eine montierte Küche kostet, haben wir anhand von vier Schweizer Erhebungen aufgeschlüsselt. Die Offertenplattform Ofri setzt im November 2024 das Standardsegment bei CHF 18 000 bis 22 000 an.
| Variante | Preis | Quelle, Datum |
|---|---|---|
| Fronten neu, Schichtstoff | CHF 3 500 bis 7 000 | HMA Interior, 11.04.2026 |
| Fronten und Griffe auffrischen | ab etwa CHF 5 000 | HMA Interior, 12.04.2026 |
| Fronten, Abdeckung und Geräte | CHF 15 000 bis 25 000 | HMA Interior, 12.04.2026 |
| Neue Standardküche | CHF 18 000 bis 22 000 | Ofri, 27.11.2024 |
| Neue Küche, Raum Zürich | CHF 18 000 bis 55 000 | HMA Interior, 12.04.2026 |
Was diese Zahlen sagen: Solange nur die Fronten ersetzt werden, liegt die Rechnung bei einem Fünftel bis einem Drittel einer neuen Standardküche. HMA Interior spricht von 60 bis 80 % Ersparnis. Sobald aber die Küchenabdeckung und die Geräte mitkommen, ist man mit 15 000 bis 25 000 Franken im Preisband einer neuen Küche. Wer alles ausser den Korpussen ersetzt, sollte sich zwei Offerten machen lassen: eine für die Renovation, eine für den Neubau.
Die günstigeren Wege: Folie, Lack, Griffe
Nicht jede Front muss ersetzt werden. Ofri nennt am 15. November 2022 folgende Spannen, ohne bei allen die Einheit anzugeben, ob pro Front oder pro Quadratmeter:
| Verfahren | Spanne laut Ofri | Einheit |
|---|---|---|
| Folieren | CHF 20 bis 40 | nicht angegeben |
| Ölen (Massivholz) | CHF 25 bis 120 | nicht angegeben |
| Dekorplatten aufbringen | CHF 30 bis 150 | nicht angegeben |
| Lackieren | CHF 50 bis 150 | nicht angegeben |
| Neue Fronten | CHF 15 bis 300 | pro m2 |
Die fehlende Einheit macht diese Zahlen zu Grössenordnungen, nicht zu Preisen. Fragen Sie bei jedem Angebot: «Gilt der Preis pro Front, pro Quadratmeter oder pauschal für die Küche, und sind Kanten und Rückseiten inbegriffen?»
Folie. Ofri nennt das Folieren die einfachste und günstigste Möglichkeit, und eine Folie lässt sich später wieder abziehen. Die Bedingung: eine gerade, glatte und fettfreie Oberfläche. Auf aufgequollenen Kanten oder abgelösten Furnieren hält sie nicht.
Lack. Massivholzfronten lassen sich abschleifen und neu lackieren oder lasieren. Kunstharzfronten müssen vorher angeschliffen und vorbehandelt werden, sonst haftet der Lack nicht. Das ist Werkstattarbeit, keine Arbeit am eingebauten Schrank.
Griffe. Neue Griffe sind der kleinste Eingriff. Achten Sie auf den Lochabstand: Ein neuer Griff mit anderem Mass hinterlässt die alten Bohrungen sichtbar in der Front, wenn sie nicht ersetzt wird.
Die Schweizer Norm: 55 oder 60 Zentimeter
Hier entscheidet sich, ob neue Fronten «von der Stange» passen.
Ab Mitte der sechziger Jahre hat die Schweizerische Industriekommission für die Normung der Küchen die sogenannte SINK-Norm geschaffen, heute SMS-Norm (Schweizer Mass System), die sämtliche für den Einbau relevanten Masse festlegt. Ihre Einbaubreite ist 55 cm. Die europäische Norm EN 1116, seit 1995 in Kraft und in der Schweiz als SN EN 1116 übernommen, legt 60 cm fest. Das hält eine Antwort der Bundesverwaltung vom September 2005 fest. Die Schweizer Branche habe damals erfolglos versucht, die 55 cm europäisch zu verankern; der Küchen-Verband Schweiz habe die alte Norm deshalb beibehalten und mit den Einbaumassen der europäischen Norm ergänzt. Geräte beider Normen sind seither auf dem Schweizer Markt.
Für den Frontentausch heisst das:
- Eine SMS-Küche braucht SMS-Fronten. Fronten eines Systems im 60-cm-Raster passen nicht auf 55-cm-Korpusse. Der Ratgeber Houzy hält fest, dass Fronten dank Sink-/CH-Norm in der Regel auch mit anderen Herstellern kompatibel sind, und empfiehlt als einfachsten Weg, beim Hersteller der Küche nachzubestellen.
- Die Geräte bestimmen die Front mit. Geschirrspüler und Kühlschrank tragen eine eigene Front, die an die Gerätetür geschraubt wird. Ein Gerät nach EURO-Norm in einer SMS-Küche, oder umgekehrt, braucht eine Front im Mass des Geräts, nicht des Korpus.
- Massanfertigung löst fast alles. Ein Schreiner misst jede Front einzeln. Das kostet mehr als Standardfronten, macht aber auch eine Küche ohne Norm renovierbar.
HMA Interior schreibt, in 95 % der Zürcher Küchen passten neue Fronten auf die bestehenden Korpusse. Das ist die Angabe eines Anbieters, keine Erhebung.
Die Scharniere
Das Topfscharnier sitzt in einer Bohrung in der Front und ist mit einer Montageplatte am Korpus verbunden. Bei neuen Fronten werden die Topfbohrungen neu gebohrt, und zwar so, dass sie auf die vorhandenen Montageplatten treffen, oder es werden Scharniere und Platten gleich mit ersetzt.
Drei Fragen an den Anbieter:
- Bleiben die alten Scharniere oder kommen neue? Ofri knüpft den günstigsten Frontpreis ausdrücklich an passende Scharniere. PORTAS ersetzt bei seiner Küchenrenovation Fronten, Griffe und Scharniere zusammen.
- Ist Dämpfung inbegriffen? Neue Scharniere mit Schliessdämpfung kosten mehr als das Weiterverwenden der alten. Steht das nicht in der Offerte, ist es nicht drin.
- Wer stellt die Fronten ein? Neue Fronten müssen nach der Montage in drei Richtungen justiert werden. HMA Interior gibt an, die Scharniere beim Aufmass zu prüfen und bei der Montage einzustellen.
Wann es nicht geht
Der Frontentausch setzt voraus, dass die Küche hinter den Fronten gesund ist. HMA Interior empfiehlt in seinem Ratgeber vom 12. April 2026 eine neue Küche statt einer Renovation, wenn eines dieser Kriterien zutrifft:
- Die Küche ist älter als 25 Jahre. Dann sind meist auch Beschläge, Schubladenführungen und Geräte am Ende.
- Der Korpus hat Feuchteschäden. Aufgequollene Spanplatte unter der Spüle oder neben dem Geschirrspüler trägt keine neuen Scharniere: Die Schrauben finden keinen Halt mehr.
- Die Geräte sind älter als zehn Jahre. Wer sie in zwei Jahren ersetzen muss, kauft unter Umständen Geräte, die nicht mehr zu den Nischen passen.
- Wasser- oder Stromanschlüsse müssen verlegt werden, oder der Grundriss passt nicht mehr, etwa für eine offene Küche.
Dazu kommen zwei Fälle, die in keiner Preistabelle stehen. Eine Küche mit Nischen, die weder SMS noch EURO entsprechen, lässt sich nur mit Massfronten renovieren. Und wer einzelne Fronten statt aller ersetzt, riskiert Farbunterschiede: Auch eine gleiche Dekornummer altert nicht gleich. HMA Interior rät deshalb vom Teilersatz ab.
In einer Mietwohnung muss die Verwaltung zustimmen, hält HMA Interior fest.
Wo die Ausführung schiefgeht
Das Aufmass vom Plan statt vom Korpus. Alte Küchen sind selten im Lot. Ein Aufmass ab den Originalplänen ergibt Fronten mit ungleichen Fugen. Verlangen Sie ein Aufmass vor Ort; HMA Interior rechnet dafür rund eine Stunde.
Die vergessenen Blenden. Sockelblenden, Passleisten an der Wand, Abschlussseiten an Hochschränken und die Front der Dunstabzugshaube gehören zum Bild der Küche. Bleiben sie alt, sieht man es sofort. Lassen Sie sie einzeln in der Offerte aufführen.
Die Gerätefronten. Die Front des Geschirrspülers hat ein eigenes Befestigungsmass, das vom Gerät abhängt. Wird sie nach dem Korpusmass gefertigt, steht sie über oder schleift am Sockel.
Die Bohrlöcher. Werden alte Scharniere weiterverwendet, müssen die Topfbohrungen der neuen Fronten exakt sitzen. Ein Versatz von wenigen Millimetern lässt sich nicht mehr wegjustieren.
Die Lieferfrist. HMA Interior nennt drei bis sechs Wochen Fertigung und ein bis zwei Tage Montage. Die Küche bleibt in dieser Zeit benutzbar, solange die alten Fronten bis zum Montagetag hängen bleiben. Klären Sie das, bevor jemand demontiert.
Die Checkliste vor der Bestellung
- Korpusse prüfen: Unterschrank der Spüle öffnen, Boden und Kanten auf Quellungen abtasten, Schubladen ziehen.
- Norm feststellen: Breite eines Unterschranks und der Geräte messen, 55 cm (SMS) oder 60 cm (EURO).
- Alter der Geräte notieren; unter zehn Jahren bleiben sie, darüber in die Rechnung nehmen.
- Offerte nach Frontanzahl und m2, nicht nur pauschal; Material und Kante benennen.
- Scharniere: weiterverwendet oder neu, mit oder ohne Dämpfung.
- Blenden, Sockel, Passleisten, Gerätefronten einzeln aufgeführt.
- Griffe: Modell und Lochabstand, Bohrungen in der Front inbegriffen.
- Demontage und Entsorgung der alten Fronten in der Offerte.
- Termin: Fertigungszeit, Montagetag, und wie lange die Küche ausfällt.
- Zum Vergleich eine Offerte für eine neue Küche einholen, sobald Abdeckung und Geräte mitkommen. Wie man sie Posten für Posten liest, steht in unserem Artikel zur Küchenofferte.
Wird nach Aufwand abgerechnet statt pauschal, lohnt der Blick auf Regie oder Pauschale: Beim Frontentausch steht der Umfang nach dem Aufmass fest, eine Pauschale ist also möglich.
Wo Sie sich hinwenden
Spezialisierte Küchenbauer und Schreiner. Drei Zugänge, für die Deutschschweiz:
- HMA Interior GmbH, Industriestrasse 31, 8305 Dietlikon, 076 778 16 06, Küchenbau und Frontentausch, Fertigung in der Schweiz
- r+s Schreinerei AG, Küchen und Innenausbau, Breitistrasse 8, 5610 Wohlen, 056 616 70 80, Kundendienst 056 616 70 84, Fronten richten, austauschen und ergänzen
- PORTAS, Netz von Renovationsbetrieben für Küchen und Türen, Fachbetriebe in der Schweiz über die Suche nach Postleitzahl auf portas.ch
Einen Schreiner in Ihrer Region finden. VSSM, Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten, Oberwiesenstrasse 2, 8304 Wallisellen, 044 267 81 00.
Beim Hersteller nachfragen. Steht der Name des Küchenherstellers auf einem Etikett im Unterschrank oder auf der alten Offerte, fragen Sie dort zuerst nach passenden Fronten: Manche Hersteller liefern sie auch nach Jahren noch, wie Ofri festhält.
Keine dieser Adressen ist allein die richtige: Ein Vergleich setzt mindestens zwei Offerten auf dasselbe Material und dieselbe Frontanzahl voraus.
Adressen erhoben am 12. Oktober 2026 auf den Websites der genannten Unternehmen und Verbände. Sie werden als Dienstleistung publiziert und sind keine Empfehlung der Redaktion.